Liedkunst

Zwei Dresdner Musiker, Johannes Wollrab und Ronald Vitzthum, die sich in ihrer Heimatstadt Dresden nie begegnet sind, treffen erstmals im Jahr 2020 ganz unverhofft am Theater Magdeburg aufeinander. Den Sänger und den Kontrabassisten vereint die Begeisterung für das deutsche Kunstlied des 19. Jahrhunderts sowie das besondere Interesse für die Kompositionen Franz Schuberts und Robert Schumanns.

Schon während seines Studiums arrangiert Ronald Vitzthum einzelne Lieder von Schubert und Schumann in verschiedenen Fassungen für Streicherinstrumente und Gesangsstimme. In Magdeburg entstehen nun neue Bearbeitungen, u.a. von Schuberts „Im Frühling“ oder „Erlkönig“ für vier Streicher und Bariton. In der ungewöhnlichen Besetzung mit Violine, Bratsche, Cello und Kontrabass entfalten sich neue Klang- und Interpretationsmöglichkeiten der ursprünglichen Klavierbegleitung und laden zu einer Der musikalischen Neuentdeckung der vielschichtigen Text-Musik-Verbindungen der Kompositionen ein.

Neben Liedern von Schubert und Schumann umfasst das Programm Werke von Johannes Brahms, Carl Loewe, Richard Wagner und Gustav Mahler, ergänzt um Kammermusiken von Brahms und Giacomo Puccini. Das Streicherensemble um Ronald Vitzthum wird komplettiert von Aisel Esslinger, Dorothea Schröder und Marcel Körner.
Für die fünf Musiker ist es der unbedingte Wunsch, das Kunstlied und ausgewählte Kammermusikstücke in klanglichen Neu-Variationen und individueller Interpretation einem breiten Publikum vorzustellen und auf unterhaltsame Weise näherzubringen.

© Linda Scholz

Dorothea Schröder erhielt ihren ersten Bratschenunterricht im Alter von acht Jahren an der Musikschule Oberursel. Nach langjährigem Unterricht am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt folgte ein Studium an der Hochschule für Musik und Theater Rostock bei Prof. Karin Wolf, das sie 2015 mit einem Bachelor of Music abschloss. Danach absolvierte sie ein Master-Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim in der Klasse von Prof. Karin Wolf, das sie 2018 beendete.

Im Bereich der Kammermusik konnte Dorothea Schröder vielfältige Erfahrungen sammeln: Neben ihrer Tätigkeit in verschiedenen Streichquartetten spielte sie u. a. mit dem Trio Baltico (Geige, Bratsche, Klavier), mit dem sie bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern auftrat, und als Mitglied des Nonetts der Musikhochschule Rostock, mit dem sie von 2012 bis 2015 regelmäßig im In- und Ausland konzertierte.
In der Spielzeit 2015/2016 war Dorothea Schröder Akademistin beim Hessischen Staatsorchester Wiesbaden, wo sie ihre Leidenschaft für das Musiktheater entdeckte. Wichtige Impulse erhielt sie in Meisterkursen bei Prof. Erich Krüger, Máté Szücs, Prof. Françoise Gnéri und bei Mitgliedern des Verdi-Quartetts. Maßgeblich prägte sie ihre Zeit als Mitglied der Jungen Deutschen Philharmonie, mit der die Bratschistin über viele Jahre zahlreiche Konzerte im In- und Ausland unter namhaften Dirigent*innen spielte und wo sie außerdem im Orchestervorstand tätig war. Seit Dezember 2019 ist Dorothea Schröder in der Magdeburgischen Philharmonie engagiert.

Aisel Esslinger erhielt ihren ersten Geigenunterricht im Alter von fünf Jahren. Als Jungstudentin kam sie in die Nachwuchsförderklasse der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig zu Prof. Friedemann Wezel, bei dem sie später auch ihr Bachelorstudium absolvierte. Ein Masterstudium schloss sie an der Hochschule für Künste in Bremen bei Prof. Thomas Klug an. Meisterkurse bei Gerard Poulet, Christian Tetzlaff, Leila Josefovitch, Klaus Hertel und Stephan Picard rundeten ihre Ausbildung ab. Stipendien der Diehl-Zesewitz-Stiftung, der New Strad GmbH, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Violin Assets GmbH ermöglichten ihr während des Studiums, wertvolle Instrumente als Leihgabe zu spielen.

Bereits in jungen Jahren sammelte Aisel Esslinger wichtige Erfahrungen in zahlreichen Jugendorchestern. So konzertierte sie mit dem Jugendsinfonieorchester Leipzig, dem Landesjugendorchester Sachsen und der Jungen Deutschen Philharmonie in Italien, Spanien, den Niederlanden, Polen, Belgien, den USA, China und Südafrika. Engagements führten sie u. a. zur Oper Leipzig, zur Magdeburgischen Philharmonie und zum Staatsorchester Braunschweig. Darüber hinaus ist sie seit 2019 Mitglied des Nordic Symphony Orchestra in Estland.
Neben ihrer Begeisterung für das Orchesterspiel widmet sich Aisel Esslinger mit großer Leidenschaft der Kammermusik. Bereits in der Musikschule erzielte sie mit ihrem langjährigen Streichquartett große Erfolge bei »Jugend musiziert«. In ihrer Studienzeit spielte sie in zahlreichen Kammermusik-Ensembles, zuletzt in einem Streichquartett, mit welchem sie gemeinsam an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover Kammermusik studierte. 2017 gastierte sie mit dem Streichquartett der Philharmonie Leipzig in Eritrea.

© Linda Scholz

Marcel Körner wurde in Sindelfingen geboren. Seinen ersten Cellounterricht erhielt er im Alter von acht Jahren. Ein Preis beim Jugendwettbewerb des deutschen Tonkünstlerverbandes ermöglichte ihm eine erste solistische Radio-Aufnahme beim Süddeutschen Rundfunk. Nach seinem Abitur und dem Zivildienst schloss Marcel Körner ein Studium an der Musikhochschule in Freiburg bei Prof. Adriana Contino mit dem Orchesterdiplom ab. Ein Aufbaustudium führte ihn zu Janos Starker an die Jacobs School of Music der Indiana University in Bloomington (USA), wo er ein Performer Diploma erlangte. Meisterkurse für Kammermusik sowie Kurse bei Paul Katz und Helga Winold (USA) sowie Csaba Onczay (Ungarn) rundeten seine Ausbildung ab. 2004 war er Stipendiat der internationalen Richard-Wagner-Stiftung.

Marcel Körner nahm an zahlreichen internationalen Festivals teil, darunter in Israel mit dem Jerusalem International Symphony Orchestra, in Österreich (Festival für Kammermusik »Stift Rein«) und in den USA (»Summer Music« in Bloomington). 2001 wurde er als Vorspieler der Cellogruppe der Magdeburgischen Philharmonie engagiert. Neben seiner Orchestertätigkeit war er schon mehrfach als Solist mit der Magdeburgischen Philharmonie zu erleben und widmet sich immer wieder gerne der Kammermusik, insbesondere dem Streichquartett. So führte er als Cellist des Philharmonischen Streichquartetts Magdeburg zwischen 2007 und 2010 sämtliche Streichquartette Beethovens auf. Seit 2005 ist er Mitglied des Rossini-Quartetts Magdeburg, mit dem er zum Ehrenbotschafter für Kultur der Stadt Magdeburg ernannt wurde und den Romanikpreis Sachsen-Anhalt erhielt. Dieses Engagement führte ihn nach China (EXPO 2010 in Shanghai), nach Jordanien und in zahlreiche europäische Städte. Darüber hinaus ist Marcel Körner als Cello-Pädagoge aktiv, so hatte er z. B. einen Lehrauftrag an der Universität Magdeburg inne und unterrichtete viele Jahre an der Musikschule in Burg.

Der Bariton Johannes Wollrab erhielt seine erste musikalische Ausbildung im Dresdner Kreuzchor. Nach einer Lehre zum Orgelbauer studierte er Gesang an der Hochschule für Musik »Carl Maria von Weber« Dresden.

Noch während seines Studiums musizierte er im Rundfunkchor Berlin mit dem Deutschen Sinfonieorchester und mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Kent Nagano und Sir Simon Rattle in Berlin, Salzburg und Tokio. Danach schloss er seine Ausbildung mit einem künstlerischen Aufbaustudium bei Ks. Andreas Schmidt ab. Besondere Anregungen für seine Karriere als Opernsänger holte er sich in Meisterkursen bei Ks. Evelyn Herlitzius und Ks. Olaf Bär. Er war Preisträger beim 22. Internationalen Robert-Stolz-Gesangswettbewerb in Hamburg und wurde mit dem Orpheus-Preis der Bad Hersfelder Opernfestspiele ausgezeichnet.
Als zunächst freischaffender Sänger gastierte Johannes Wollrab an verschiedenen deutschsprachigen Bühnen, darunter die Oper Chemnitz, die Semperoper Dresden, die Staatsoperette Dresden, die Theater Plauen-Zwickau, das Staatstheater Cottbus, das Anhaltische Theater Dessau, das Theater Koblenz und das Theater Hagen. Darüber hinaus sang er in Konzerten mit der Sächsischen Staatskapelle unter der Leitung von Marc Minkowski und Christian Thielemann.

Von 2016 bis 2022 war er festes Ensemblemitglied des Theaters Magdeburg. Weitere Gastspiele führten ihn an das Theater Winterthur, das Landestheater Detmold, das Theater Kiel und das Staatstheater Darmstadt. Das breitgefächerte Repertoire des Baritons umfasst über 40 Partien aus Oper, Operette und Musical. Zu seinen wichtigsten Rollen zählen Papageno (»Die Zauberflöte«), Peter Besenbinder (»Hänsel und Gretel«), Herr Fluth (»Die lustigen Weiber von Windsor«), Figaro (»Der Barbier von Sevilla«), Gabriel von Eisenstein (»Die Fledermaus«), Aristide (»Ball im Savoy«), Guglielmo (»Così fan tutte«), Zurga (»Die Perlenfischer«), Valentin (Gounods »Faust«), Edwin (»Die Csárdásfürstin«), Richardus (»Richard Löwenherz«) sowie Pontius Pilatus (»Jesus Christ Superstar«) und Alfred P. Doolittle (»My Fair Lady«). Viel Anerkennung fand zudem in der Spielzeit 2020/2021 sein Doppeldebüt als Mercutio und als Fechtchoreograf in Gounods »Roméo et Juliette« in der Regie von Karen Stone.
Neben seinen vielfältigen Theaterengagements widmet sich Johannes Wollrab immer wieder intensiv dem Lied- und Konzertgesang. Sein Repertoire umfasst neben Oratorien und Passionen von Bach, Händel und Telemann zahlreiche chorsinfonische Werke von Haydn, Mendelssohn-Bartholdy, Fauré und Orff sowie Lieder von Schubert, Schumann, Wolf und Busoni. Ausgewählte zeitgenössische Werke runden sein Repertoire ab.

Im Dezember 2021 erschien seine CD »Gib frei mein Herz …« mit Liedern aus dem »Italienischen Liederbuch« von Hugo Wolf und Gedichten und Balladen von Joachim Ringelnatz als musikalisch-literarisches Hörbuch.

Der gebürtige Dresdner Ronald Vitzthum erhielt erste musikalische Impulse als Dresdner Kapellknabe im Knabenchor seiner Heimatstadt. Über das E-Bass-Spielen, zunächst im Bereich Rock und Funk, fand er am Ende seiner Schullaufbahn den Weg zum Kontrabass und schließlich auch wieder zur klassischen Musik. Nach einem Jazzmusik-Studium in Hamburg, wo er auch Arrangierunterricht bei Wolf Kerschek nahm, studierte Ronald Vitzthum von 2009 bis 2016 Kontrabass an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien bei Prof. Josef Niederhammer. Bereits während seines Studiums war er Stipendiat u. a. der Sommerakademie für zeitgenössische Musik »Opus XXI« in Avignon, der Internationalen Sommerakademie Semmering, des Internationalen Orchesterinstituts Attergau sowie der Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker. Nach einem Engagement als Substitut im Orchester der Wiener Staatsoper war Ronald Vitzthum erst Akademist und später mit Zeitvertrag im Gewandhausorchester zu Leipzig, wonach der Kontrabassist sein Studium an der Hochschule für Musik Mainz bei Prof. Waldemar Schwiertz fortsetzte. Nach einer einjährigen Tätigkeit im Bruckner Orchester Linz folgte 2020 ein Engagement in der Magdeburgischen Philharmonie, wo er seitdem die Position des Vorspielers innehat.

Neben seiner Konzerttätigkeit in Magdeburg konnte Ronald Vitzthum zusätzliche Orchestererfahrung u. a. als Aushilfe im Gürzenich-Orchester Köln, bei den Hamburger Philharmonikern, im MDR-Sinfonieorchester und im Bühnenorchester der Wiener Philharmoniker bei den Salzburger Festspielen sammeln. Des Weiteren spielte er als Aushilfe mehrfach mit den Wiener Symphonikern, dem Radio-Symphonieorchesters des ORF, dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich und dem Mozarteumorchester Salzburg. Er ist außerdem Mitglied im belgischen Orchester »Le Concert Olympique«, welches jährlich mehrfach durch Europa tourt.

© Linda Scholz